Schreddern allein ist keine Datenvernichtung
Die Daten auf einer Festplatte sind ein Magnetisierungsmuster auf der Oberfläche der Scheiben. Ein Schredder zerkleinert die Scheiben – das Muster auf den Bruchstücken bleibt dabei erhalten. Zerkleinern macht das Auslesen schwer, gelöscht ist damit aber nichts.
Wie viel Information auf einem Partikel steckt
Moderne Festplatten speichern rund 1 Terabit pro Quadratzoll. Auf einem Quadratmillimeter Scheibe liegen damit grob 150 bis 200 Megabyte. Die Norm DIN 66399 erlaubt in der Sicherheitsstufe H-5 Partikel bis 320 mm². Ein einzelnes zulässiges Bruchstück kann also mehrere Dutzend Gigabyte an magnetisch gespeicherten Daten tragen.
Heute ist das Auslesen solcher Bruchstücke aufwendig und wirtschaftlich unattraktiv. Ob das so bleibt, kann niemand garantieren. Wie schnell sich das ändern kann, zeigt die Vesuvius Challenge: Verkohlte Papyrusrollen aus Herculaneum, die als unlesbar galten, wurden mit Computertomografie und KI-Auswertung wieder lesbar gemacht. Dass Festplattenpartikel künftig ausgewertet werden können, kann nicht ausgeschlossen werden – und Daten, die Sie heute vernichten lassen, sollen auch in zwanzig Jahren nicht wieder auftauchen.
Was ein normales Überschreiben nicht erreicht
Auch reines Überschreiben hat Lücken. Festplatten lagern beschädigte Sektoren in Reservebereiche um; die alten Sektoren mit den ursprünglichen Daten erreicht ein gewöhnliches Löschprogramm nicht mehr. SSDs verteilen Schreibzugriffe auf Reservezellen, die von außen gar nicht adressierbar sind. Sicher gelöscht wird erst mit den Befehlen, die das Laufwerk selbst dafür bereitstellt – Secure Erase, Sanitize oder Crypto Erase – und mit einer Prüfung, ob der Befehl tatsächlich ausgeführt wurde. Das ist Alltag in einem Datenrettungslabor, in dem man täglich sieht, wo Daten überleben.
Warum ein Degausser im Paket nicht genügt
Ein Degausser (Entmagnetisierer) löscht magnetische Datenträger durch ein starkes Magnetfeld. Moderne Festplatten haben allerdings eine sehr hohe Koerzitivfeldstärke und mehrere Scheiben in einem Metallgehäuse. Ob ein Gerät eine komplette, geschlossene Festplatte vollständig entmagnetisiert, hängt vom Gerät und vom Laufwerk ab. Deshalb zerlegen wir defekte Festplatten und entmagnetisieren jede Scheibe einzeln. Bei SSDs, USB-Sticks und Speicherkarten wirkt ein Degausser überhaupt nicht – Flash-Speicher ist nicht magnetisch.
Unsere Reihenfolge: erst löschen, dann zerstören
- Löschen. Funktionsfähige Festplatten überschreiben wir nach NIST SP 800-88 „Purge“, SSDs löschen wir per Secure Erase oder Crypto Erase. Das Ergebnis wird geprüft und im Protokoll festgehalten.
- Entmagnetisieren, wenn das Löschen nicht geht. Defekte Festplatten werden geöffnet, die Scheiben entnommen und jede Scheibe einzeln entmagnetisiert.
- Trennen und zerstören. Erst danach wird der Datenträger zerlegt, nach Material getrennt und mechanisch zerkleinert. Der Schredder ist der letzte Schritt.
So ist der Datenträger zweimal unbrauchbar gemacht: Die Daten sind gelöscht, bevor das Gerät physisch zerstört wird. Für jeden Datenträger halten wir Seriennummer, Löschverfahren und Vernichtungsart fest – auf Wunsch mit Video.