Defekte Festplatten: jede Scheibe einzeln entmagnetisiert
Eine funktionsfähige Festplatte überschreiben wir vor der Zerstörung nach NIST SP 800-88 „Purge“. Bei einer defekten Festplatte geht das nicht: Sie läuft nicht an, wird nicht erkannt, die Köpfe sind beschädigt oder die Elektronik ist ausgefallen. Die Daten auf den Magnetscheiben sind trotzdem vollständig vorhanden – und ein Datenrettungslabor kann sie in vielen Fällen noch auslesen. Deshalb löschen wir defekte Festplatten auf andere Weise: Wir zerlegen den Scheibenstapel und entmagnetisieren jede Scheibe einzeln.
Warum ein Degausser bei einer geschlossenen Festplatte nicht genügt
Ein Degausser (Entmagnetisierer) löscht magnetisch gespeicherte Daten mit einem sehr starken Magnetfeld. Das funktioniert nur, wenn das Feld an jeder Stelle der Scheibe stark genug ist. Bei einer geschlossenen Festplatte stehen dem mehrere Dinge entgegen:
- Hohe Koerzitivfeldstärke: Moderne Festplatten mit hoher Speicherdichte brauchen deutlich stärkere Felder, um die Magnetisierung zu löschen, als ältere Modelle.
- Mehrere Scheiben im Stapel: Aktuelle 3,5-Zoll-Laufwerke enthalten bis zu zehn Scheiben übereinander. Die inneren Scheiben liegen weiter von der Feldquelle entfernt als die äußeren.
- Metallgehäuse und Motor: Gehäuse, Deckel und Spindelmotor verändern den Verlauf des Feldes.
Ob ein Degausser eine geschlossene Festplatte an jeder Stelle jeder Scheibe vollständig löscht, hängt daher vom Gerät und vom Laufwerk ab – und lässt sich von außen nicht prüfen. Für einen Nachweis ist das zu wenig.
Unser Verfahren für defekte Festplatten
- Erfassen: Seriennummer, Hersteller, Modell und Kapazität kommen ins Protokoll – auch wenn das Laufwerk elektrisch nicht mehr antwortet, das Typenschild bleibt lesbar.
- Öffnen: Wir öffnen die Festplatte und entnehmen den Scheibenstapel. Als Datenrettungslabor machen wir das täglich.
- Zerlegen: Der Stapel wird in einzelne Scheiben zerlegt; Abstandsringe und Klemmen werden entfernt.
- Einzeln entmagnetisieren: Jede Scheibe kommt einzeln in den Degausser – ohne Gehäuse, ohne Motor, ohne andere Scheiben, die das Feld abschwächen. So wirkt das volle Feld auf die gesamte Fläche jeder Scheibe.
- Zerstören: Danach werden die Scheiben nach Material getrennt und mechanisch zerkleinert, nach DIN 66399 bis Sicherheitsstufe H-5.
- Nachweis: Im Protokoll steht bei jeder Festplatte „Zerlegt, Scheiben einzeln entmagnetisiert“ als Löschverfahren.
Das Ergebnis: Die Daten sind gelöscht, bevor die Scheibe in den Schredder kommt. Selbst wenn ein Bruchstück die Zerkleinerung übersteht, trägt es keine lesbare Magnetisierung mehr. Warum das wichtig ist: Schreddern allein ist keine Datenvernichtung .
Welche Festplatten
- 3,5-Zoll-Festplatten aus PCs, Servern, NAS und Speichersystemen
- 2,5-Zoll-Festplatten aus Notebooks, externen Gehäusen und Kopierern
- Server-Festplatten (SAS, SATA), auch mit Helium-Füllung
- Festplatten mit Kopf- oder Motorschaden, Wasser- oder Brandschaden, gebrochener Platine
Glas- und Aluminiumscheiben behandeln wir gleich; entscheidend ist die Magnetschicht, nicht das Trägermaterial.
Was es kostet
Für das Zerlegen und Entmagnetisieren jeder Scheibe berechnen wir 10 € netto pro defekter Festplatte zusätzlich zum Preis der gewählten Nachweisstufe. Alle Preise: Preise .
Für Flash-Speicher wie SSDs, USB-Sticks und Speicherkarten wirkt ein Degausser nicht; dort setzen wir unser eigenes Verfahren ein: H-Erase .